9 Dinge, die ich in London gelernt hab
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9 Dinge, die ich in London gelernt hab

Apr 12, 2018 No Comment

1,5 Jahre nach meinem sechsmonatigen Aufenthalt in London, sitz ich hier in meinem Lieblings-Coffeeshop und reflektier, was mich das Leben im Ausland gelehrt hat. Und da ist schon ganz schön was zusammengekommen.

Ich wollte immer schon mal raus in die große weite Welt und eine Zeit lang in einem anderen Land Erfahrungen sammeln. Da ich mit 19 in meine erste eigene Wohnung gezogen bin und gleich mit dem berufsbegleitenden Studium begonnen hab, hat sich die Chance auf ein Auslandssemester für mich damals leider nicht ergeben.

Der Drang bzw. die Sehnsucht sind allerdings geblieben und mit dem unglaublich tollen Konzept der Bildungskarenz und der Unterstützung meines großartigen Chefs, der es mir ermöglicht hat dieses Angebot anzunehmen, wurde mein Traum im März 2016 wahr.

Sechs Monate lang konnte ich eine Ausbildung in London machen und dabei die Stadt und auch mich selbst ein bisschen besser kennenlernen. Hier also meine 9 Top-Learnings und warum ich sie keinesfalls missen möchte.

 

Do it ALL. Say YES all the time. Spend all the money. Eat all the food. Care about it later. Because London is so much better than your imagination could conjure.

 

1. Um etwas zu erleben, muss man aus seiner Komfortzone raus

Obwohl ich meinen 30. Geburtstag bereits gefeiert hatte und ich somit eigentlich mehr als nur „erwachsen‘“ war, gab es große Unsicherheit, was die Zeit in meiner Lieblingsstadt wohl für mich bereithalten würden. Noch nie war ich derart lang von meiner Familie und meinen engen Freunden getrennt. Seit über 10 Jahren hatte ich mein Zuhause (abgesehen von meinem Partner) nicht mehr mit anderen geteilt. Geschweige denn keine eigene Wohnung, sondern nur noch ein Zimmer gehabt. Und ich hatte noch nie zuvor nicht gearbeitet. Natürlich hab ich die Ausbildung in London gemacht und bin nicht untätig herumgesessen. Aber es war dennoch sehr viel anders als meine übliche 38h+ Arbeitswoche inkl. gewohntem Alltag.

So nervös ich im Vorfeld auch war – angefangen bei den Gesprächen über meine Pläne mit Familie, Freunden und Arbeitgeber – so überzeugt war ich auch davon, dass diese Zeit eine der besten meines Lebens werden würde. Aber es hieß natürlich: Abstriche machen!

Statt meines vollen Gehalts stand mir „nur“ das Weiterbildungsentgelt des AMS zur Verfügung mit dem ich im teuren London auskommen musste. Und am meisten lag mir die Wohnsituation im Magen. Darüber hab ich euch schon in einem eigenen Beitrag mehr erzählt. Letztendlich hab ich wirklich liebe Leute gefunden, aber was weiß man schon im Vorhinein?

In diesem halben Jahr hatte ich soviel Zeit für mich selbst, konnte machen worauf ich Lust hatte, je nach Stundenplan auch mal an einem Dienstagvormittag ins Museum und nicht, wenn sich tausende Touristen durchschlängelten, konnte auf das beste Wetter warten um meine Lieblingsgebäude Londons in einem guten Licht zu erwischen und und und.

Um etwas zu erleben, muss man aus seiner Komfortzone raus.

Ich bereue es keinen Tag meine Komfortzone verlassen zu haben! Im Gegenteil: viel öfter denke ich mir im Alltag „hey, heut musst du’s mal wieder anders machen!“.

 

2. Man braucht nur das Nötigste

Was packt man in den Koffer für ein halbes Jahr in London? Neben Kleidung für den Zwiebellook nur das allerwichtigste. Ich hatte ja zB überhaupt keine Ahnung wie groß mein Zimmer sein würd. Während meine erste Unterkunft wirklich groß war, hatte ich nach der (ungeplanten) Übersiedelung nur noch ein 8qm kleines „Räumchen“.  ES war schon schwierig dort alles unter zu bringen mit dem ich angekommen bin…

London ist aber halt doch ein Shoppingparadies und so sind doch noch ein paar Sachen dazugekommen. Aber alles mit Maß und Ziel, denn ich hatte nun mal keinen Platz.

Zurück in Wien hat mich dann der große Ausmist-Rappel gepackt und ich hab aussortiert was das Zeug hält! Jahrelang angehäufte Kleidungsstücke, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr getragen hatte, wurden gespendet. Kaputte Teile für den Schneider hergerichtet oder entsorgt, nicht ständig genutzte Dekoration in den Keller verfrachtet.

Immer wenn ich wieder mal Platz in meinem Kasten oder einer Lade geschaffen hab, fällt eine kleine Last von mir.

Versteht mich nicht falsch, natürlich liebe ich Shopping und hab sicherlich immer noch übermäßig viele Sachen in meiner Wohnung, von denen ich einen gar nicht so kleinen Teil wohl nicht mehr brauchen würd. Aber ich schau jetzt viel mehr drauf, was ich mir noch kaufe bzw. gebe regelmäßig auch Sachen weg.

Man braucht nur das Nötigste.

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3. Man muss die eigene Stadt mit den Augen eines Fremden sehen.

Während des halben Jahrs hab ich super viel Besuch bekommen und jedes Mal gab’s das klassische Touristenprogramm gespickt mit ein paar Melly-Geheimtipps. Dabei hab ich mir natürlich sehr viel Mühe gegeben die schönsten Plätze, leckersten Restaurants und beeindruckendsten Aussichtspunkte auszuwählen.

Bei meiner Rückkehr nach Wien gab es daher ein großes Ziel: auch meine eigene Heimatstadt wie ein Fremder zu erkunden, um die schönsten Orte und verborgenen Schätze zu sammeln.

Ein paar feine Fleckchen Wiens hab ich bereits erkundet, da geht aber sicher noch was.

Wenn man die eigene Stadt mit den Augen eines Fremden sieht, gibt es unendlich viel zu entdecken.

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4. London hält einen ganz von selbst sehr fit

Ich bin keine Sportskanone – noch nie gewesen und werd ich auch nie sein. Aber in London war ich so fit, wie schon lang davor nicht mehr. Und das ganz von selbst! Die Distanzen sind richtig weit und am besten kann man die Stadt zu Fuß erkunden. 15.000 Schritte täglich waren da also nicht so ungewöhnlich. Dabei gibt es so unglaublich viel zu sehen, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Meine London Sightseeing Tipps sollen dabei etwas Hilfe bieten.

Besonders zu Beginn ist mir oft passiert, dass ich Wege unterschätzt hab (einerseits was die Zeit und andererseits was die Entfernung angeht) und dann entweder zu spät oder total abgehetzt am Ziel angekommen bin.

Außerdem haben Londoner vor allem in der Rushhour eine ordentliche Geschwindigkeit beim Gehen drauf. Viele U-Bahn Stationen haben keine oder nur wenige Rolltreppen, London hält einen also ganz von selbst sehr fit.

Ein bisschen mehr vom Bewegungsalltag Londons tät mir in Wien nicht schaden…

 

5. Vom London Way of Life kann man sich was abschauen

Was mich an London immer schon fasziniert hat, ist die Gelassenheit und Disziplin, die man an jeder Ecke findet. Egal, wie hektisch die Rushhour auch sein mag, sich anzustellen und die Fahrt in aller Ruhe (selbst wenn sie von A nach B über eine Stunde dauert) lesend oder Musik hörend zu verbringen, gehört einfach dazu. Wie gern hätt ich diese Entspanntheit beim Fahren mit den Wiener Öffis…

 

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Sobald draußen die Sonne scheint und/oder es angenehme Temperaturen hat, zieht es die Londoner nach draußen und ins Grüne. Ob das Picknick auf der nächstgelegenen Grünfläche in der Mittagspause oder der Afterwork Drink vorm Pub, Hauptsache hinaus.

Lesen, lesen, lesen! Wenn man in der U-Bahn keinen Empfang hat und das Handy quasi unbrauchbar ist, sind Zeitungen und Bücher die Nummer 1 Alternative für Londoner. Hier hab ich an meinem ersten Buch Club teilgenommen und so Lust bekommen, meinen eigenen Buch Club zu gründen.

Beim London Way of Life geht es vor allem um eines: das Beste aus allem zu machen, was man hat, denn schließlich ist man in London.

Was ich selbst nie gemacht hab, was aber für viele Londoner zum Alltag dazu gehört ist das nach Hause laufen. Mit Sportgewand und Rucksack in dem das Bürooutfit und anderes verstaut ist, geht’s zur Rushhour statt in die Tube laufend auf die Gehsteige der Stadt. Das hat zwei Gründe: einerseits erspart es einem das Fitnesscenter und mit der spärlichen verfügbaren Freizeit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Andererseits spart man sich Geld, das man für die sehr teuren Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ausgeben würde. Meine liebe Kollegin Isabell macht das ab und zu von unserem Büro aus und geht somit eigentlich schon als richtige Londonerin durch 😉

Wahrscheinlich fallen in geraumer Zeit noch eine Menge weiterer Gründe ein – Ergänzungen sind also sehr wahrscheinlich.

 

6. Heimweh geht durch den Magen

Im Rahmen meiner Abschiedsfeiern hab ich gefühlt 100 Packerl Mannerschnitten bekommen (tatsächlich waren es wahrscheinlich 20) und ich kann gar nicht sagen, wie froh ich darüber war! Mannerschnitten sind zu meinem absoluten Anti-Heimweh Snack geworden und noch heute schmecken sie für mich nach „zuhause‘“.

Wie ihr bald in meinem London Food Guide sehen könnt, kann man wirklich an jeder Ecke gut essen gehen und findet Lebensmittel in ausgezeichneter Qualität (was zwar seinen Preis hat, es aber allemal wert ist). Nichtsdestotrotz ging damals nix über die Frittatensuppe und das erste Schnitzerl, dass ich bei meinem Wienbesuch gegessen hab. Ganz zu schweigen vom Tichy Eis!

Am meisten abgegangen ist mir jedoch unser gutes österreichisches Körndlbrot! Heimweh geht bei mir eindeutig durch den Magen.

Lustigerweise ging es mir in den letzten Tagen mit dem Essen in London genauso: hier mein liebstes Sweet & Salty Popcorn gegessen und zum Frühstück den leckeren Iced & Spiced Bun genossen und schon fühl ich mich wieder in meiner zweiten Heimat angekommen.

 

7. Wo Liebe ist, ist auch ein Weg

Tja, was soll ich sagen. Der Liebste kam eigentlich zum schier ungünstigsten Zeitpunkt in mein Leben. Die Anzahlung für London war getätigt, die Details mit meinem Arbeitgeber geklärt und was eigentlich nur ein kleiner Dating-Versuch war, wurde zu meiner True-Love-Story.

Schon ganz am Anfang war aber klar, dass der Liebste meinen Auslandsaufenthalt nicht als Hindernis sehen würde. Puh, nochmal Glück gehabt, denn es hat mich wirklich sofort extrem erwischt! Ich war von Kopf bis Fuß verliebt und wollte die 3 Monate, die uns noch vor meiner Abreise blieben in vollen Zügen genießen.

Die ersten Pläne wo wir uns wann sehen würden, waren schnell geschmiedet und für Mai hab ich mit der Schwester des Liebsten einen Überraschungsbesuch anlässlich seines Geburtstags geplant. Bis zum ersten Wiedersehen nach 6 Wochen, gab’s für den Liebsten einen Wiedersehenskalender und ein Care-Paket. Und natürlich wurde täglich geskyped.

Die Wiedersehensfreude war dann riesengroß und der Abschied umso schmerzhafter (der Liebste wusste ja schließlich nicht, dass ich bereits 4 Wochen später wieder bei ihm sein würde 😉).

Besonders wichtig war das Kommittent von beiden Seiten und zu wissen, dass wir nach diesem halben Jahr ganz viel Zeit füreinander haben werden.

Ja, es war hart. Und ja, er hat mir unendlich gefehlt und nicht nur einmal bin ich weinend vor Skype gesessen und hätte mir gewünscht, dass wir Zusammensein könnten. Aber durch unseren guten Plan war die Wartezeit auf das nächste Wiedersehen absehbar.

Wo Liebe ist, ist auch ein Weg.

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8. Du bist nie zu alt um deine Mama zu vermissen

Natürlich hab ich nicht nur den Liebsten extrem vermisst. Ich bin ein sehr familiärer Mensch und habe viele Freunde, die mir extrem wichtig sind. Sie alle haben mir sehr gefehlt und auch wenn ich in London viele neue kennengelernt hab, niemanden im direkten Umfeld zu haben, der einen so richtig gut kennt, ist wirklich nicht leicht.

Gleich in meiner zweiten Woche in London hat mich der bis dahin heimtückischste Grippevirus meines Lebens erwischt. Und wer schon mal im Urlaub krank war, weiß, dass nichts so schlimm ist, wie fern von zuhause krank herumzuliegen. Das war der erste Moment in dem ich am liebsten einen Heimflug gebucht hätte!

Und es war dann meine Mama, die mir gut zugeredet hat und dass obwohl ich ganz genau weiß, wie gern sie mich bei sich in Wien gehabt hätte.

Selbst beim letzten Grippevirus Anfang März, war es meine Mama, die mich zum Arzt und wieder heimgebracht hat. Man ist halt einfach nie zu alt um seine Mama zu vermissen und das ist auch keine Schande!

 

9. Leben in London ist ein Traum, Leben in Wien eine traumhafte Realität

Um ganz ehrlich zu sein: Mir war aufgrund meiner vielen vorangegangen Besuche in London schon vorher klar, dass ich dort nicht langfristig leben wollen würde. Hauptgrund dafür sind die extrem hohen Kosten für einen, im Vergleich zu Wien, niedrigen Lebensstandard.

Wohnen ist extrem teuer, Lebensmittel in hoher Qualität oder auswärts Essengehen ebenfalls und vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel schlagen sich ganz schön auf’s monatliche Budget. Dazu kommt, dass der Druck am Arbeitsmarkt sehr hoch ist.

So gern ich London also auch hab, so sehr genieß ich mein Leben in Wien. Während London mein großer Traum und mein allerliebstes Lieblingsreiseziel ist, ist Wien meine traumhafte Realität.

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